Prix Lignum 2018 Region Ost

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DIE LEICHTIGKEIT DES HOLZBAUS

Landquart, 28. September 2018 – Alle drei Jahre zeichnet der Prix Lignum die besten Schweizer Leistungen mit Holz aus. Die rangierten Projekte in der Region Ost spielen gezielt die Leichtigkeit von Holz aus. So macht das Wohnhaus in St. Gallen (1. Rang) aus zwei Geschossen fünf – möglich wird diese Aufstockung im grossen Stil dank des geringen Gewichts des Baustoffs. Für den Umbau des Gipfelgebäudes auf dem Chäserrugg schwebte das ganze Material mit der Seilbahn zur Baustelle empor (2. Rang). Luftig wirkt aber auch die Konstruktion des Betriebsgebäudes auf dem Campingplatz in Trun (3. Rang), dessen Dach zeltähnlich aufragt. Acht weitere Arbeiten werden mit einer Anerkennung gewürdigt.

Zukunftsweisende Arbeiten mit Holz bekannt machen, das ist das Ziel des Prix Lignum. Der Preis wird zum vierten Mal seit 2009 gesamtschweizerisch verliehen. Zugelassen waren Bauwerke, Innenausbauten, Möbel und Kunstwerke aus der Schweiz oder dem Fürstentum Liechtenstein, die zwischen dem 1. Januar 2014 und dem 28. Februar 2018 fertiggestellt wurden.

Alle Objekte unter www.prixlignum.ch

1. Rang für urbanen Leichtbau

Mit dem 1. Rang der Region Ost würdigt die Jury das Mehrfamilienhaus Röschstrasse in St. Gallen, welches auf den ersten Blick wie ein Neubau erscheint, aber tatsächlich eine Aufstockung im grossen Stil ist. Auf der spitz zulaufenden Parzelle stand ein Gewerbebau, in dessen Untergeschoss am Hang ein Linsenschleifer arbeitete. Damit die Maschinen auch während des Umbaus weiterlaufen konnten, entschied der Bauherr, die beiden Obergeschosse durch fünf Stockwerke in Holzbauweise zu ersetzen. Dass das Gebäude aus Holz gebaut ist, wollten die Architekten auch auf der Fassade zeigen. Die Stadt lehnte den Vorschlag zunächst ab und verwies auf die verputzten Häuser im Quartier. Mit einem Fassadenmuster im Massstab 1:1 konnten die Architekten die Behörden schliesslich überzeugen. Ihr sorgfältig geplantes Konzept erinnert an Betonfassaden, spricht aber eine eigene, holzaffine Sprache.

Dank einer gesamtheitlichen Betrachtung ermöglicht Holz ein Gebäude, das so in einer anderen Bauweise kaum möglich gewesen wäre. Die Architekten bauen auf dem Bestand auf und sparen so graue Energie und Bauzeit. Sie entwickeln eine konsequente Tragstruktur, die die Wohnungen prägt. Und sie bringen Holz mit der Fassade überzeugend in einen muralen Kontext.

2. Rang für touristisches Vorbild in sensibler Landschaft

Den 2. Rang der Region Ost verleiht die Jury der Bergstation auf dem Chäserrugg – einem Holzbau mit eigener Sprache und eigener Dimension. Die Architekten Herzog & de Meuron entwickeln aus einer komplexen Aufgabe eine prägnante Form. Der Bau oszilliert zwischen Scheune, Chalet und Gondelhalle. Das Dach hält ihn zusammen. Das Gebäude hebt die klassische Zimmermannskunst auf einen neuen Massstab: imposante Auskragungen, spitz zulaufende Dachecken, riesige Balken, die auf baumähnlich sich verzweigenden Betonstümpfen lagern. Die Architekten nutzen Holz exemplarisch, um in dieser Höhe zu bauen. Sie integrieren den Bestand geschickt in ein neues Ganzes, das dank dem Holz vorbildlich in die Umgebung passt. Das Resultat ist keine Event-Architektur, sondern eine kraftvolle Ruhe auf dem Berg. Und damit ein Vorbild für viele Tourismus-Betreiber, die in sensiblen Landschaften bauen.

Auf nationaler Ebene hat die Bergstation auf dem Chäserrugg die Gold-Auszeichnung 2018 gewonnen.

3. Rang für atmosphärische Campinganlage

Das neue Betriebsgebäude und Badehaus des Campingplatzes Trun ehrt die Jury mit dem 3. Rang der Region Ost. Die Betreiber rüsten den Campingplatz mit den Neubauten für den ganzjährigen Betrieb. Die Holzfassaden der beiden nordisch anmutenden Neubauten sind schwarz eingefärbt. So fügen sie sich im grünen Auwald ein wie die dunklen Stämme und Äste der Erlen selbst. Der hoch aufragende, leicht asymmetrische Dachraum im Restaurant erinnert einerseits an eine Kirche, andererseits an ein hölzernes Zelt. Das Gebäude wurde als Elementbau mit einheimischem, unverleimtem Holz in einer nahen Zimmerei in Trun vorgefertigt. Die sparsame Robustheit des Gebäudes, mit der auch die Details ausgearbeitet sind, überzeugen und vermitteln Stabilität und Geborgenheit.

Im Spiel mit Innen und Aussen schafft auch das leicht erhöhte Badehaus subtil Intimität. Vier windmühlenartig angeordnete Gebäudeflügel generieren rund um einen Patio verschiedene Räume. Das Material ist auch hier robust und sparsam verarbeitet, ohne dass es asketisch wirkt. Dieser Ausdruck passt zu den naturnahen Unterkünften und den Komfortansprüchen der Campierer.

Die beiden Neubauten stehen für eine holztypische Bauaufgabe, die sorgfältig konstruiert und in den Kontext eingefügt wurde. Sie halten das Zimmermannshandwerk hoch und nutzen die atmosphärische Qualität von Holz mit einfachen Mitteln, ganz nach dem Motto: klein, aber fein.

Acht Anerkennungen

Acht Werke in der Region Ost würdigt die Jury mit einer Anerkennung für den hochwertigen und zukunftsweisenden Einsatz von Holz:

Kindergarten Wildenstein III, Rorschacherberg SG – eleganter Flügelschlag

Den Basler Architekten ist ein Schmuckstück in Holz gelungen, das zum grössten Teil aus Schweizer Wäldern stammt. Leider geht die Konstruktion manchmal etwas zulasten der Gebrauchstauglichkeit. Alles in allem überzeugt der Holzbau aber, da er ausserordentlich durchdacht ist und den Baustoff in allen Facetten zelebriert, von der Tragstruktur bis zum Möbel. Das geht nur mit einem Material: mit Holz.

Haus am Hang, Urnäsch AR – Reduktion auf die Essenz

Die Architekten reduzieren das Gebäude auf das Nötige und schaffen so etwas Neues. Das Haus lebt vom direkten Umgang mit den Materialien Beton und Holz. Es fügt sich in den Ort ein und nimmt Rücksicht auf die Umgebung. Das fünfgeschossige Gebäude zeigt, wie man Holz in seiner nachhaltigsten Form als unverleimtes Rohmaterial verbaut – trotz schwieriger Rahmenbedingungen. Die Konstruktion schafft einen Mehrwert an Behaglichkeit und erlaubt eine grosse Flexibilität in der Nutzung. So modern kann Massivholz sein.

Origen-Theaterturm, Julierpass GR – Zeichen im Schnee

Busterminal, Churwalden GR – strahlender Ankerpunkt

Punt da la Güstizia, Zernez GR – in einem Schwung

Haratori Office, Mathon GR – Stallumbau mit Zen

Wohnhaus Blaues Kreuz, Praden GR – Zwerg mit grossem Kern

Aufstockung LICO Müstair, GR - Weiterbauen

Hochparterre-Themenheft und App zum Prix Lignum 2018

Der Verlag Hochparterre gibt ein Themenheft in drei Sprachen über den Prix Lignum 2018 heraus. Es erscheint als Beilage zum Hochparterre No. 10/2018 und stellt alle 39 Preisträger vor. Als Ergänzung zum Themenheft gibt der Verlag Hochparterre die App ‹Prix Lignum. Holzbauten ab 2007› für iPhone und iPad heraus. Die App steht im iTunes-Store ab dem 27. September 2018 gratis zum Download bereit.

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