In der Markthalle Wattwil zeigten verschieden Referenten aus der Wald- und Holzbranche auf, wie durch die Verwendung von heimischem Holz die Waldbewirtschaftung und regionale Wertschöpfung gestärkt werden kann. Über 100 Personen besuchten die von der Lignum Holzkette St.Gallen und der IG Holz Toggenburg organisierte Veranstaltung.

 

Sepp Fust, Geschäftsführer der Lignum St.Gallen führte durch den Abend. In seinem Einstiegsreferat zeigte er auf, dass Holz unterschiedliche Qualitäten aufweist und diese richtig verwendet, zu einer grösstmöglichen Wertschöpfung führt. In einem Rückblick auf die Jahre 2018/2019 richtete er den Fokus auf die Borkenkäfersituation. In ganz Mitteleuropa fielen riesige Mengen an Holz an, die vom Borkenkäfer befallen waren.

Borkenkäfer - Herr der Rinde

Im anschliessenden Referat ging Beat Wermelinger, Insektenforscher an der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, auf den wichtigsten Borkenkäfer, den Buchdrucker ein. Die rund 5 mm grosse Borkenkäferart legt ihre Eier unter der Rinde von Rottannen ab. Innerhalb von 2 bis 3 Monaten entwickeln sich daraus neue Käfer. In einem Jahr kann es bis drei Generationen geben. Weder der Käfer noch die Larven fressen sich ins Holz, sondern bleiben zwischen Rinde und Holz. Die befallenen Fichten sterben ab. Bei ungünstigen Voraussetzungen wie Sturm und Trockenheit gibt es Massenvermehrungen, die zu grossen Schäden führen. So fielen 2019 1.4 Mio. Kubikmeter Käferholz an. Mit faszinierenden Bildern zeigte Beat Wermelinger die verschiedenen Feinde des Buchdruckers. Neben den natürlichen Regulatoren hilft auch eine konsequente Bekämpfung von befallenen Bäumen eine grossflächige Ausbreitung einzudämmen. Zum Abschluss wagte der Forscher eine Prognose für diesen Sommer. Die hohe Käferpopulation und die Winterstürme sind für den Käferbefall ungünstige Voraussetzungen. Für die konkrete Entwicklung sind jedoch die Witterung im Frühling und Sommer, der Zustand der Bäume sowie die getroffenen Massnahmen von Bedeutung. Langfristig ist davon auszugehen, dass der Buchdrucker pro Jahr eine Holzqualitten 2020 7zusätzliche Generation bilden kann.

Qualität des regionalen Holzes

Pirmin Fischbacher, Säger aus Gähwil, erläuterte die Holzqualitäten aus den Toggenburger Wäldern. Dabei sind rund die Hälfte von mittlerer, ein weiterer Viertel ist von guter und ein Fünftel von schlechter Qualität. Daraus ergibt sich rund 60% des Schnittholzes als "normale" Toggenburger Qualität. Pirmin Fischbacher zeigte auf, welche Holzprodukte sich aus den unterschiedlichen Qualitäten hergestellt werden können. Speziell ging er auch auf das Käferholz ein. Als Folge des Borkenkäfers besiedelt ein Bläuepilz das Holz, was zu einer bläulichen Verfärbung führt, aber für die Festigkeit des Holzes keinen Einfluss hat. Diese Verfärbung bleicht über die Jahre wieder aus.

Seine Schlussfolgerung ist: Mit Holz aus der Region lassen sich sehr gut ganze Häuser bauen. Wichtig sind eine vorausschauende Planung, eine gute Kommunikation zwischen Bauherr und Holzproduzent und eine Verwendung der richtigen Qualität am richtigen Ort. So kann der ganze Baum am Bau verwendet und eine bestmögliche regionale Wertschöpfung erreicht werden.

Bauen mit regionalem Holz

Der Holzbauingenieur Pirmin Jung zeigte an eindrücklichen Beispielen auf, was mit Holz im Bau möglich ist. Im Rückblick konnte er darstellen, wie Holzbau in den letzten 20 Jahren an Bedeutung gewonnen hat, auch insbesondere im mehrstöckigen Holzbau. Künftig sieht er dem Holzbau keine Grenzen gesetzt. Neben der Verwendung von Holz ist ihm auch der Einsatz von regionalem Holz wichtig. Anhand konkreter Objekte konnte Pirmin Jung aufzeigen, dass die Verwendung von Schweizer Holz einen Mehrpreis von weniger als einem Prozent der gesamten Baukosten ausmacht. Wichtig ist, dass bei der Beratung der Bauherrschaften dieser Aspekt eingebracht und in den Ausschreibungen berücksichtig wird. Da haben die Hölzigen eine wichtige Aufgabe sowohl bezüglich der Holzverwendung als auch dem Einsatz der Qualitäten Einfluss zu nehmen.frühzeitig

Holzmerkmale zur Geltung bringen

Zum Abschluss präsentierte der Schreiner Andreas Raaber Möbelstücke, bei denen die besonderen Holzmerkmale in Szene gesetzt wurden. Dazu verwendet er ausschliesslich Holz aus der Region und die Kunden wissen, wo der Baum gewachsen ist. Diese einzigartigen Unikate waren in der Markthalle auch noch ausgestellt. Im anschliessenden Stehimbiss wurden die Erkenntnisse aus den spannenden Referaten rege diskutiert.

 

Vorträge des Abends:

- "Begrüssung und Einführung", Sepp Fust Lignum, Holzkette St.Gallen

- "Der Herr der Rinde", Beat Wermelinger, WSL Birmensdorf

- "Holz aus der Region - Qualitäten und Anteile", Pirmin Fischbacher, Innoholz AG

- "Das Bauen mit regionalem Holz wird selbstverständlich", Pirmin Jung, Pirmin Jung AG Schweizas Bauen mit regionalem Holz wird selbstverständlich", Pirmin Jung, Pirmin Jung AG Schweiz

- "Möbel mit persönlicher Note und einzigartigem Charakter", Andreas Raaber, Schreinerei Raaber